Das Herzogshaus > Geschichte > Coburg und Europa

Coburg und Europa

 

 

Großbritannien

Queen Victoria (1819-1901) und Prinz Albert (1819-1861) sind das berühmteste Paar der Familie Sachsen-Coburg und Gotha.
Sie waren Cousine und Cousin ersten Grades. Ihre Ehe stand unter einem glücklichen Stern und bescherte ihnen neun Kinder. Damit war nicht nur die Nachfolge im Königreich Großbritannien gesichert, sondern auch im Coburger Herzogtum, als Alberts Bruder, Ernst II., erbenlos blieb.
Der frühe Tod Alberts setzte jedoch dem Glück ein jähes Ende.
Die Königin verbrachte ihre 63-jährige Regentschaft zu zwei Dritteln als Witwe. In Erinnerung an ihren Gatten ließ sie zahlreiche Denkmäler - auch auf dem Coburger Marktplatz - errichten und stiftete die Royal Albert Hall in London.

 

Deutschland

Vicky (1840-1901), das erste Kind von Queen Victoria, war die Lieblingstochter von Prinz Albert. Sie heiratete den preußischen Kronprinzen und späteren deutschen Kaiser Friedrich III. "Vicky und Fritz" gehörten zum liberal gesinnten sogen. 'Coburger Kreis', welcher mit König Leopold I. in Belgien, Prinz Albert in England, sowie Herzog Ernst II. in Coburg international besetzt war und der reaktionären Richtung Bismarcks entgegen zu steuern versuchte. Als Fritz im Jahr 1888 die Nachfolge seines Vaters, Kaiser Wilhelm I., antrat, war er jedoch bereits vom Tod gezeichnet und verstarb nach nur 99 Tagen Regentschaft. Nachfolger wurde sein Sohn, Kaiser Wilhelm II., dessen politische Gesinnung von Bismarck geleitet wurde und letztendlich zum Ersten Weltkrieg führte.

 

Griechenland

Vickys Tochter, Sophie von Preußen (1870-1922), heiratete Konstantin I., 1913 bis 1922 König von Griechenland. Ihr Enkel, Konstantin II. war griechischer König von 1964 bis zu seiner Absetzung und dem Ende der Monarchie im Jahr 1973. Seine Schwester Sophia ist Königin von Spanien.

 

 

Russland

Alix (1872-1918), die letzte russische Zarin, war eine Enkelin von Queen Victoria und Prinz Albert. In Coburg, im Jahr 1894 - anlässlich der Hochzeit ihres Bruders, Großherzog Ernst Ludwig von Hessen, mit der Coburger Prinzessin Victoria Melita - verlobten sich Alix und der russische Thronfolger und spätere Zar Nikolaus II. Die eheliche Verbindung war von gegenseitiger Zuneigung geprägt. Doch tragisch entwickelte sich die Pflicht zur Sicherung der männlichen Nachkommenschaft. Erst nach vier Töchtern folgte die Geburt des langersehnten Sohnes, der jedoch an der Bluterkrankheit litt. In ihrer Sorge um den Zarewitsch hielt Alix engen Kontakt mit dem umstrittenen Wunderheiler Rasputin und geriet in öffentliche Kritik. 1917 beendete die Februarrevolution die Zarenherrschaft in Russland. Zar Nikolaus II. und Alix wurden gemeinsam mit ihren fünf Kindern inhaftiert und von den Bolschewiken 1918 ermordet.

 

 

 

Coburg

Herzog Alfred (1844-1900), der zweitälteste Sohn von Queen Victoria und Prinz Albert, beschritt bereits in jungen Jahren die Marinelaufbahn, die er mit dem höchsten Rang, als Admiral der englischen Flotte, beendete. Er bereiste die sieben Meere und fünf Kontinente und wurde zum internationalen Vertreter seiner Mutter. 1862 lehnt er die Wahl zum König von Griechenland ab. Seit 1866 führte er den Titel Duke of Edinburgh. 1874 heiratete er in Sankt Petersburg die russische Großfürstin Marie, einzige Tochter des Zaren von Russland. Der Ehe entstammen ein Sohn und vier Töchter. Da sein Onkel Ernst II. 1893 kinderlos verstarb, trat Alfred - als Erbe seines Vaters Albert - die Nachfolge als Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha an. Seine Regentschaft währte nur kurz, 1900 starb er an Kehlkopfkrebs. Sein Sohn war bereits eineinhalb Jahre zuvor verstorben. Somit ging die Erbfolge in Coburg auf Alberts Neffen Charles Edward über, Herzog Carl Eduard.

 

Rumänien

Maria von Sachsen-Coburg und Gotha (1875 -1938) war die älteste Tochter von Herzog Alfred. 1893 heiratete sie Prinz Ferdinand von Hohenzollern, König von Rumänien 1914-1927.


 

Russland

Victoria Melita von Sachsen-Coburg und Gotha (1876-1936), zweite Tochter von Herzog Alfred, heiratete in erster Ehe 1894
in Coburg ihren Cousin Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen. Anlässlich dieser Hochzeit entstand das berühmte Foto des europäischen Hochadels, vereint um Queen Victoria. Die Ehe wurde kurz darauf geschieden. Victoria Melita heiratete erneut im Jahr 1905. Ihr Gatte, Großfürst Kyrill, war ebenfalls ein Cousin - verwandt über Victoria Melitas Mutter Marie, einer russischen Zarentochter. Nach Ermordung des russischen Zaren Nikolaus II. war Kyrill der nächste Thronanwärter im Haus Romanow. Ab 1924 nannte er sich offiziell Zar von Russland und lebte bis zu seinem Tod in Coburg. Beigesetzt war er mit seiner Frau Victoria Melita in der Coburger Familiengrablege auf dem Glockenberg. Nach dem Mauerfall wurden die Körper nach Sankt Petersburg überführt.
Ihre gemeinsame Tochter, Kira heiratete 1938 Louis-Ferdinand, 1951-1994 Chef des Hauses Hohenzollern.

 

 

Coburg

Herzog Carl Eduard (1884-1954) wurde als Charles Edward Duke of Albany geboren. Sein vier Monate zuvor verstorbene Vater Leopold, der vormalige Duke of Albany, war der jüngste Sohn von Queen Victoria und Prinz Albert. Leopolds Frau, Helene Duchess of Albany, war eine geborene Prinzessin Waldeck-Pyrmont und Schwester der niederländischen Königin Emma. Die Zukunft des englischen Prinzen Charles Edward lag im britischen Königreich.
Im Jahr 1899 jedoch stellte sich erneut in Coburg - mit dem plötzlichen Tod des herzoglichen Erbprinzen - die Frage nach der Erbfolge im Herzogtum. Der deutsche Kaiser Wilhelm II., ein Cousin Charles Edwards, bestimmte maßgeblich die Entscheidung für den noch minderjährigen Prinzen als Nachfolger; auch förderte er dessen Erziehung nach preußischen Maßstäben an den Kadettenschulen in Potsdam und Berlin. 1905 trat Carl Eduard als jüngster deutscher Fürst die Regentschaft im Herzotum Sachsen-Coburg und Gotha an.

 

 

 

Schweden

Prinzessin Sibylla (1908-1972) ist die älteste Tochter von Carl Eduard, dem letzten Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha. 
Am 15. Juni 1932 verlobte sie sich auf Schloss Callenberg, im Roten Salon, mit dem schwedischen Erbprinzen Gustav Adolf von Bernadotte. Die Hochzeit in Coburg folgte im Oktober desselben Jahre - bekannt als "Schwedenjahr", das mit der Wiederkehr des 300. Todestags des großen Schwedenkönigs Gustav Adolf zum schwedischen Doppelereignis wurde. Sibyllas Vater und die Mutter ihres Gatten sind beide Enkel von Queen Victoria und Prinz Albert. Das schwedische Paar hatte vier Töchter; kurz nach der Geburt des langersehnten Thronfolgers, dem heutigen schwedischen König, Carl XVI. Gustaf, kam der Vater durch einen Flugzeugabsturz ums Leben. Auch nach ihrer Verheiratung kehrte Sibylla wiederholt und gemeinsam mit ihrer Familie nach Schloss Callenberg zurück, dem Ort ihrer Kindheit und Jugend. Im Jahre 1982 erfolgte der erste offizielle Besuch ihres Sohnes mit seiner Frau Königin Silvia.

 

Portugal

Mit König Manuel II. (1898-1932) endete in Portugal die Herrschaft der königlichen Familie Sachsen-Coburg und Gotha, die von dem Coburger Prinzen Ferdinand abstammt. Dessen erster Sohn heiratete 1836 die portugiesische Königin Maria II. da Gloria.
1908 rückte Manuel als zweitgeborener Sohn von König Karl I. aufgrund von gewaltsamen Umstände auf den ersten Platz der portugiesischen Thronfolge: Ein Attentat auf die Kutsche des Königs tötete den Regenten sowie den Kronprinzen Luiz. Trotz Manuels vermittelnden Kurses hielten die Unruhen weiter an, und Portugal wurde das erste europäische Land, in welchem die Republik eingeführt wurde. Manuel dankte 1910 ab und
wählte in England sein Exil. Die Ehe mit der deutschen Prinzessin Auguste Viktoria von Hohenzollern-Sigmaringen blieb kinderlos, so dass diese Linie erlosch.

 

 

 

Bulgarien

Zar Ferdinand von Bulgarien (1861-1948) entstammt der katholischen Linie Sachsen-Coburg-Koháry. Seine Mutter Clementine war die jüngste Tochter des französischen Bürger-königs Louis Philippe. 1887 erreichte Ferdinand seine Wahl als Nachfolger des gestürzten Fürsten von Bulgarien, Alexander von Battenberg. Im Jahr 1908 setzte Ferdinand die Unabhängigkeit Bulgariens offiziell durch und erklärte sich zum Zaren. In den Balkankriegen geriet Bulgarien trotz anfänglicher Erfolge in Interessenskonflikt mit den Weltmächten und musste kapitulieren. Ferdinand dankte 1918 zugunsten seines Sohnes Boris III. ab und wählte Coburg zu seinem Exil, wo er dreißig Jahre später verstarb. Beigesetzt wurde er in der Familiengruft in der katholischen Kirche Sankt Augustin, Coburg. Sein Enkel, Zar Simeon II. Sakskoburggotski, wurde sechsjährig zum Zaren gekrönt. Nach dem Ende der Monarchie in Bulgarien floh Simeon ins Exil. Nach seiner Rückkehr 35 Jahre später war er 2001-2005 Ministerpräsident seines Landes.


 

Mexiko

Charlotte (1840-1927), Tochter Leopolds I., Erster König der Belgier, heiratete Erzherzog Maximilian, den Bruder von Kaiser Franz Josef. Mit seiner Erhebung zum Kaiser von Mexiko im Jahr 1864 wurde Charlotte Kaiserin. Als ihr Gatte 1867 von mexikanischen Rebellen hingerichtet wurde, verlor sie den Verstand und verbrachte die übrigen 60 Lebensjahre in geistiger Umnachtung.

 

Österreich

Die belgische Prinzessin Stéphanie (1864-1945), Enkelin von König Leopold I., heiratete 1881 Kronprinz Rudolf von Habsburg.
Der einzige Sohn von Kaiser Franz Josef und Kaiserin Sissi setzte jedoch 1889 in Mayerling seinem Leben ein Ende. Im Jahr 1935 publizierte Stéphanie rückblickend ihre Memoiren unter dem Titel "Ich sollte Kaiserin werden".

 

Italien

Die belgische Prinzessin Marie José (1906-2001) - Urenkelin König Leopolds I. - war mit Umberto II., Erbprinz von Italien, verheiratet. Nach der Abdankung des regierenden Königs Vittorio Emanuele III. wurde sie 1946 die letzte Königin Italiens - für einen Monat (Mai) - bevor eine Volksabstimmung sich für die Abschaffung der Monarchie in Italien aussprach. Anhänger nennen sie liebevoll "regina del maggio" (Maienkönigin).

Luxemburg

Prinzessin Joséphine-Charlotte (1927-2005) war eine Ururenkelin von König Leopold, des Ersten Königs der Belgier.
Außerdem war sie die Schwester der belgischen Könige
Baudouin I. (1930-1993) und Albert II. (*1934). Im Jahr 1953 heiratete sie den luxemburgischen Erbprinzen Jean, seit 1964 Großherzog. Er dankte 2000 ab zugunsten seines Sohnes Henri,dem heutigen Großherzog von Luxemburg.

 

 

 

 



(Text: F. Bachner)

 
© 2016 Herzogliche Hauptverwaltung
Zurück Seitenanfang Weiter